Toilette öffnet sich mit Chip: Vellmarer Ahnatal-Schule will gegen Vandalismus vorgehen

Vellmar – Ein gepflegtes stilles Örtchen. Das ist nicht immer und überall selbstverständlich, besonders nicht in öffentlichen Einrichtungen. An der Ahnatal-Schule wurde deshalb ein Chipkartensystem für ausgewählte Toiletten eingeführt. Wiederholt war es dort zu starken Verschmutzungen und Vandalismus gekommen.

Dreck an den Wänden, vermüllte Kabinen, kaputte Waschbecken, verzweifelte Reinigungskräfte und unglückliche Schüler – davon berichtet Schulleiter Manuel Coote. Auch Eltern hätten sich in der Vergangenheit beschwert, dass ihre Kinder nur ungern oder mitunter gar nicht auf die Toiletten in der Schule gehen wollten. Die immer wieder auftretenden unhygienischen Zustände und die mutwillige Zerstörung haben den Anlass für das Pilotprojekt gegeben.

Als erste im Landkreis hat die Vellmarer Schule zwei Toilettenbereiche umgerüstet. Diese sind nun ausschließlich mit einer personalisierten Chipkarte zugänglich. Der Umbau wurde von der Schule vollständig selbst finanziert. Nach Angaben von Coote wurden dafür zwischen 5000 und 6000 Euro investiert. Die Chipkarten kann jeder Schüler gegen einen Pfand von 20 Euro erhalten. Das System registriert die Nummer der jeweiligen Karte und speichert die Daten für maximal 72 Stunden, bevor sie automatisch gelöscht werden, erklärt Coote.

Die Nutzung der Chipkarten ist an eine zuvor unterschriebene Vereinbarung zwischen Eltern und Schule gebunden. Er sieht unter anderem vor, dass die Schüler beim Betreten den Zustand der Toiletten kontrollieren und Verschmutzungen dem Sekretariat melden. Kommt es dazu, dann können die gespeicherten Daten ausgelesen und festgestellt werden, welche Personen sich in dem Zeitraum auf der Toilette aufgehalten haben. Dadurch lassen sich die möglichen Verursacher eingrenzen. Getrackt, wer wie lange oder wie oft auf Toilette geht, werde nicht, betont Coote. „Es ist ein optionales Angebot.“ Die anderen Toilettenanlagen bleiben nach wie vor frei zugänglich.

Das Thema habe die Kinder und Jugendlichen bereits seit zwei Jahren beschäftigt, wie eine Befragung der Schülervertretung zeigte, berichtet Silke Meister vom Landkreis Kassel. „Der Frust war hoch.“ Bei dem Umbau wurden die Toiletten auch deutlich aufgewertet: Mit Mosaikelementen, Dekopflanzen, Regalen, Sichtschutz und Damenhygienespendern unterscheiden sich die Räume nun deutlich von ihrem früheren Erscheinungsbild. In die Gestaltung wurden die Schüler eingebunden. Besonders Ganzkörperspiegel standen weit oben auf der Wunschliste. Auch bei der Wandfarbe durften sie mitentscheiden. „Schule ist ihr Lebensbereich, der soll so schön wie möglich für sie sein“, sagt Vertrauenslehrerin Anna Schefer, die das Projekt zusammen mit Kollegin Melanie Bauer betreut hat.

Wie kam das Chipkartensystem bei den Eltern an? Es sei ambivalent diskutiert worden, sagt der Schulleiter. Zwar gebe es vereinzelt Kritiker und Vorbehalte, der Großteil bewerte das System jedoch positiv. Die vorerst angeschafften 300 Zugangskarten seien bereits alle verliehen, sodass die Schule nun weitere nachbestellt habe. Innerhalb von drei Wochen, seitdem der neue Toilettenbereich für Jungen in Betrieb ist, seien drei Vorfälle gemeldet worden, darunter eine bekritzelte Wand. Mit den Zuständen in der Vergangenheit sei das jedoch nicht vergleichbar, so Coote. Auch Ina Koch, Leiterin des Reinigungspersonals, zeigt sich erleichtert und bestätigt, dass sich die Situation deutlich verbessert habe. „Mit der Chipkarte hinterlasse man eine Duftmarke. Die Schüler merken: Es ist nicht mehr egal, was ich tue“, so der Schulleiter. Dabei gehe es nicht nur um Abschreckung, sondern viel mehr um eine „positive Verstärkung“. „Wenn ich mich wohlfühle und es ansprechend gestaltet ist, dann fühlt es sich komisch an, sich dort wie ein Barbar zu benehmen.“

Das System sei aber „nicht wasserdicht“, sagt Coote. Zwar ließen sich mögliche Täter dadurch eingrenzen, aber nicht final identifizieren. Ergänzend setzt die Ahnatal-Schule auch auf Toilettenaufsichten, die von Jugendlichen übernommen werden. Auch andere Schulen im Landkreis prüfen ein solches Chipkartensystem, etwa in Baunatal, berichtet Silke Meister. An der Vellmarer Schule seien derzeit keine weiteren Umrüstungen geplant, laut Coote grundsätzlich aber möglich. Wichtig sei jedoch, dass es immer eine Alternative gebe – also frei zugängliche Toiletten. JOSEFIN DUDEK
Quellenangabe: Hessische Allgemeine (Kassel-Nord) vom 20.05.2026, Seite 9